Der Teufel liegt im Detail – rotes Fleisch in klinischen Studien

Christina Kirchhof | 25. April. 2014 | Keine Kommentare
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Nachdem ich in dem Post vom Montag, einige der gesundheitlichen Vorteile von Weidefleisch aufgeführt habe, wollte ich mich dem Thema etwas wissenschaftlicher widmen. Keine Angst, hier werden jetzt keine zehn Studien heruntergebetet und inhaltlich diskutiert, ich will eher die Ergebnisse der wichtigsten Studien hier kurz darlegen. Dabei geht es mir hauptsächlich darum, dass wissenschaftliche oder vor allem klinische Studien oft herangezogen werden, um gewisse Argumente besser zu unterfüttern. Das Problem dabei ist, dass viele Nebengeräusche, die wichtig für die umfassende Bewertung solcher Studien sind, einfach ausgeblendet werden.

Viele von euch werden sich an die Studie der Havard School of Public Health von 2011 erinnern, die den regelmäßigen Verzehr von rotem Fleisch, wie Rindfleisch, Lamm und Schwein mit einer höheren Mortalität verknüpfen. Die Studie belief sich auf 121.000 Männer und Frauen und ging über 24 Jahre. Fast 24.000 der Beteiligten, die regelmäßig rotes Fleisch aßen, starben in dieser Zeit. Der offensichtliche Beweis war erbracht, rotes Fleisch erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf Erkrankungen, Diabetes und Krebs. Das Medienecho war riesig. Von der roten Gefahr, bis zu der Frage ob rotes Fleisch auch sie töten wird, alle Schlagzeilen waren vertreten.

2012 konnte eine japanische Studie, die 51.000 Männer und Frauen innerhalb von 16 Jahren untersuchten, keine Verbindung zwischen einem moderaten Konsum von roten Fleisch und einer höheren Mortalität finden. Auch eine weitere Studie der Havard School of Public Health, durchgeführt von anderen Forschern konnte keine Verbindung zwischen dem Verzehr von unverarbeitetem roten Fleisch und der Entwicklung von Herzkrankheiten und Diabetes feststellen.

Nun wie werden wir jetzt schlau daraus? Nun zunächst einmal lässt sich feststellen, dass es einen signifikanten Unterschied zwischen verarbeitetem Fleisch und unverarbeitetem Fleisch gibt. Fett, Salz, Zusatzstoffe machen Wurst und ähnliches zu einem ungesunden Spaß. Rohes Fleisch hingegen ist in moderaten Maßen recht unbedenklich. Zudem schauen sich die Studien nur den Verzehr von Fleisch an, nicht aber die komplette Ernährung der Probanden. Das heißt einfach gesagt, dass diese vielleicht einfach zu wenig Gemüse gegessen haben im Verhältnis zu ihrem Fleischkonsum. Auch wird kein Unterschied gemacht zwischen Fleisch, das aus Weidehaltung stammt und Fleisch aus konventioneller Haltung. Nur weil derartige Studien von etablierten und angesehenen Forschungsinstitutionen stammen, heißt dies noch lange nicht, dass sie unfehlbar sind oder wenigstens kritisch diskutiert werden können.

Was mir bei diesen Fleischkonsum Debatten immer ein wenig aufstößt, ist nicht, dass ein niedriger Konsum gefordert wird, sondern eher, dass Fleisch als Nahrungsmittel absolut verteufelt wird. Sind Völker, die durch ihre Lebensbedingungen auf Fleisch und tierische Produkte und Fette angewiesen sind jetzt grundsätzlich ungesünder? Wie wird ihr Fleischkonsum gesellschaftlich bewertet? Gute Diskussionsgrundlage fürs Wochenende oder?!

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