Die Wiederentdeckung der Langsamkeit – die Idee von Slowfood

Christina Kirchhof | 21. Februar. 2014 | Keine Kommentare
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Als hätte es das Universum geahnt, stolperte ich heute über ein interessantes Interview mit dem Begründer der Slowfood Bewegung, Carlo Petrini, in einer bekannten deutschen Wochenzeitung. Wie ich schon gestern kurz angerissen hatte, ist die Slowfood Idee Ende der 60er Jahre in Italien entstanden und zunächst dafür gedacht gewesen um das Monopol des Fast Foods zu brechen. Heute ist der Verein in 170 Ländern aktiv und hat über 100.000 Mitglieder. Petrini ist keineswegs Verfechter einer elitären Esskultur. Es geht ihm vielmehr um das Wiederentdecken des Geschmacks. Weg von charakterlosem Brot, wässrigem Gemüse oder Fleisch, die um möglichst billig zu bleiben, normiert und transportgerecht verpackt werden. Hin zu Produkten, die sicher und fair produziert und mit höchstmöglicher Berücksichtigung regionaler Besonderheiten hergestellt wurden. Hochqualitative Speisen haben Konservierungsstoffe und künstliche Aromen überhaupt nicht nötig. Essen muss ja keinesfalls hochkompliziert sein. Die Zutaten machen die Komplexität eines Gerichtes aus. So wird aus einem Steak oder einem Rindertatar ein hochexklusives Gericht, wenn das Fleisch von Tieren kommt, die artgerecht und unter regional nachhaltigen Bedingungen aufgezogen wurden. Das bedeutet aber auch, dass man sich vor dem Kauf, mit der Herkunft und der Aufzucht der Tiere beschäftigt haben muss.

Unser Empfinden heute keine Zeit mehr zum selber kochen zu haben stimmt nicht, so Petrini. Uns sind nur andere Dinge wichtiger geworden. Die Menschen arbeiteten vor 100 Jahren mehr als 12 Stunden am Tag, backten Brot, kochten und legten Gemüse ein. Wir arbeiten ungefähr acht Stunden am Tag, sind aber hochspezialisiert, haben das Gefühl weniger Zeit zu haben. Dass da die Lust fehlt, am Abend noch Gemüse einzukochen oder Fleisch zu pökeln, ist nachvollziehbar aber kein Grund zu sagen, es liegt einfach an der Zeit. Das einzusehen ist nicht schlimm, nur muss man die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Denn Lebensmittel, die hochwertig, sicher und gesund hergestellt werden brauchen Zeit und haben daher einen dementsprechenden Preis, den es aber wert ist zu zahlen. Gutes Essen macht glücklich, ehrlich!

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