Schärfere Regeln, nachhaltigere Produkte?

Christina Kirchhof | 28. März. 2014 | Keine Kommentare
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Die EU-Richtlinien für Bio-Lebensmittel und Landwirtschaft bedienen einen Massenmarkt und setzen die minimalen Richtlinien und Produktionsvorgaben für Landwirte und Lebensmittelindustrie. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: dass ist kein Grund für Verbraucher jetzt das Gewissen auszuschalten und zu sagen, naja steht ja Bio drauf, so schlecht kann es ja nicht sein.

Letzte Woche hat die EU-Kommission beschlossen, die Regeln für die Bio-Landwirtschaft und Produktion zu verschärfen. Bevor das EU-Parlament und die EU-Mitgliedsstaaten darüber abstimmen, darf noch über diese neuen Richtlinien diskutiert werden. Natürlich wurde der Beschluss von nicht weniger kritischen oder zustimmenden Kommentaren aus den verschiedenen Gruppen der Landwirtschaft begleitet.  Streitpunkt: die Ausnahmeregelungen für Betriebe, die striktere Herkunftseingrenzung des Futters und die Festlegung einer Untergrenze für Pestizidrückstände auf Bio-Produkten. So soll demnächst ein bestimmter Prozentsatz des Futtermittels aus der Region kommen, die Ausnahmeregelung für einige Betriebe, zum Teil konventionelle Futtermittel zu verwenden, komplett gestrichen werden. Dies wird von vielen Bauern begrüßt, wenn ihnen die Zeit gegeben wird, sich an die schärferen Regeln anzupassen. Kontrovers auch, die Festlegung der Untergrenze für Pestizide. Bio-Landwirtschaft findet nun einmal nicht unter einer Käseglocke statt. Einige Verbände befürchten, dass durch die verschärften Richtlinien, eher die unter die Räder kommen, die wirklich was für Trinkwasser- und Bodenschutz tun. Einig ist man sich jedoch, dass Bio-Betriebe nicht mehr nebenbei konventionell wirtschaften dürfen.

Die strengeren Regeln der EU sollen zunächst einmal den Verbrauchern zugutekommen, die durch Betrugsskandale verunsichert sind. So soll in der Zukunft nicht nur die Landwirte kontrolliert werden, sondern auch mehr Augenmerk auf Verarbeitung und Vertrieb gelegt werden. Dass die EU jetzt  die Zügel anzieht zeigt, dass die Richtlinien nicht mehr als eine Minimalvereinbarung sind. Bio auf Masse zu produzieren, bei gleichbleibend niedrigen Preisen, ist eigentlich unmöglich. Zwar will die EU in Zukunft, die Zusammenarbeit und Einfuhr von Bio-Produkten aus Drittländern besser kontrollieren, es bleibt aber ein schaler Geschmack. Bio-Landwirtschaf in der Größenordnung ist in Deutschland, bei der nutzbaren Fläche eigentlich kaum nachhaltig. Bloß, ist die Paprika im Dezember aus Marokko nun nachhaltiger, nur weil jetzt Bio drauf steht? Vermutlich kaum. Der Konsum von Lebensmitteln fordert den Verbraucher ständig auf, sich mit seinem Essverhalten und seinen Folgen auseinanderzusetzen. Nachhaltigkeit kommt nicht in Form eines halben Kilos Tomaten mit einem Bio-Siegel drauf, das sollten sich Verbraucher bewusst sein.

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